Texte & Lyrik
Hier finden Sie einige Text von heifisch
heifisch, 12.03.2020
die freundlichen Gesichter
1
die freundlichen gesichter
der unmenschlichkeit
keine fratzen mehr
nachdenklich schauen sie
ins nichts ihrer zukunft
abgestorbene wohlstandsritter
edles menschengeschwafel
auf den bühnen der saturierten:
wenn doch
aber so
nicht nur sondern auch
schreckliche bilder
frauen und kinder zuerst
grenze der belastbarkeit
arbeitsmarkt überlastet
migrant oder flüchtling
ein unterschied
sagen die gebildeten
wohlstandsmigranten
aufstiegsgeile erkenntnisverdränger
wohlbestallte auslandsstipendiaten
grüngelogene emobil fahrer
klimaretter mit beschränkter haftung
der faschismus der sichtbaren gewalt
ist überflüssig geworden
die gewalt steckt in den köpfen
behübscht und bedauert
medial reingewaschen
das schlechte gewissen beruhigt
durch wohltätigkeit
der hunger der verlorenen
wird weggefastet
die verzweiflung der migranten
wird weggejoggt
des elend der massen
wird wegkonsumiert
die wachsende armut
wird weggespendet
was wollt ihr denn
wir tun ja eh
aber wenn
aber dann
aber so
dann aber nicht
natürlich dann
aber leider
das boot ist unser
und wir sind voll
die armut freunde
lässt sich nicht
von zäunen aufhalten
lässt sich nicht
an grenzen erschießen
lässt sich nicht
im mehr ersäufen
das elend
geht auf das konto
der steigbügelhalter
der reichen
der überflüssigen
der mächtigen
der assozialen besitzgierigen
der weltenbeherrscher
über sie zu schreiben
versagt sich der poesie
ihr reichtum ist mörderisch
ihre wohltätigkeit ist unmenschlich
ihr leben betrug
2
gepflegt gestylt
und ja nicht laut
treiben sie uns
auf ihren abgrund zu
ohnmächtig die menschen
der menschlichkeit verpflichtet
machtlos weil gefangen
in nachdenklichkeit
ehrlichkeit
und ekel
vor den amöben
der karrierensümpfe
den verlogenen gesichtern
der machtgeilheit
bisweilen nur mehr
verrutschen die masken
zeigend die fratzen
der ungeschminkten wahrheiten
die ihre lebenslügen sind
in ihren kielwassern die
verblindeten massen derer
die sich selbst nichts sind
gierend nach liebe
die sie in wut und hass
erstickend
niemals finden werden
(ein fragment)
heifisch, 19.12.2015
Cool
Es geht um Liebe.
Es geht um Empathie.
Es geht um Solidarität.
Es geht um Verständnis.
Es geht um ein menschenwürdiges Miteinander.
Es geht um die Zukunft der Menschheit.
Und nicht darum cool zu sein. Dieser „Jugend“-Begriff sagt mehr aus über den sozialen Status unserer Gesellschaft, als teure Forschungsprogramme.
Cool muss man sein, um nicht am eigenen mörderischen Handeln zu verzweifeln, wenn man als “IS-Kämpfer” Kinder, Frauen, Wehrlose abschlachtet, missbraucht, vergewaltigt, versklavt.
Cool muss man sein, wenn man Schwächeren in der Schule das Handy oder Geld „abzieht“. Es ist cool jemanden im Internet so lange zu mobben, bis sie/er sich umbringt. Es ist cool Mitarbeiter, Untergebene, zu mobben, sich an ihrer Ohnmacht zu delektieren.
Cool ist man, wenn man sich lange schwarze Mäntel anzieht, mit Pumpguns und Schnellfeuerwaffen in die eigene Schule stürmt und Schulkollegen und Lehrer ermordet.
Es ist cool so einen Machtstatus zu erreichen, dass man ganze Firmen schließen, verlagern, in den gezielten Konkurs führen kann, zur eigenen Bereicherung. Es ist cool Menschen abzuzocken, die „so dumm sind, dass sie sich betrügen lassen“ – ihr Problem.
Es ist cool ein gefühlloser Mafiakiller zu sein. Es ist cool zu dominieren. Gefühle nicht zu zeigen gilt als cool. Auf erlittenes Unrecht keine Gefühlsregung zu zeigen, dass ist cool.
Coolness ist in der Konsequenz ein psychopathisches Verhalten. Unsere kapitalistische Gesellschaft lebt von der Coolness.
Wer liebt kann nicht cool sein.
Wer empathisch ist, ist nicht cool.
Wer solidarisch ist, kann nicht cool sein.
Wer verständnisvoll ist, kann unmöglich cool sein.
Wer für ein menschenwürdiges Miteinander eintritt, muss gegen „Coolness“ auftreten. Eine Menschheit mit Zukunft ist nicht cool. Und nur mit einem heißen Herzen zu erkämpfen.
heifisch, 07.02.2021
DIE HUMANITAS STEHT
AUF VERLORENEM POSTEN
Seht um Euch, Freund*innen.
Was soll das sein? Menschliches Leben? Dieser Irrsinn des Konsumwahns (Verdoppelung, die nicht verneint)? Diese zur Macht aufgeblähte Dummheit der Ohnmacht? Diese zur Normalität erhobene Perversion des Gegeneinanders? Diese Selbstzerstörung des Raumschiffes Erde durch seine Passagiere?
Diese Perversion aus allen Lebensnotwendigkeiten ein Geschäft zu machen? Diese monströse Ermächtigung der Dummheit. Diese hilflose Flucht in den Glauben? Diese Normalisierung der Kriege? Diese Erschöpfung der sogenannten Schöpfung? Das soll menschliches Leben sein?
Noch steht sie auf ihrem Posten, die Humanitas. Unbeweglich. Verloren. Hilflos. Nicht einmal mehr verzweifelt. Eher fassungslos. Hoffnungslos. Durchwellt von den Folgetonhörnern all der sinnlosen Einsatzfahrzeuge dieser Erde, anzeigend den Untergang. Sprachlos angesichts der sprachumwolkten Lügengebäude. Selbst schon fast geblendet durch die Blindheit der Massen. Gelähmt in Verzweiflung.
Das, was als Wunder des Weltalls durch das All treibt ist nur mehr ein Kadaver, ein lebendig verrottendes Gebilde einer als göttlich gedachten Ausnahme. Einer lebensermöglichenden Zufallskette. In ungeheurer Schönheit erblüht. In ekelndem Elend vergehend.
Die fürchterliche Relativierung des unabwendbaren individuellen Todes.
Das war’s dann.
heifisch, 29.09.2020
Das Selbe in Grün
Ich hab‘s ja eingestandener Maßen mit Sprichwörtern. Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, also weiterlügen, zum Beispiel. Funktioniert auch sehr gut. Damit kann auch der größte Vollkoffer Milliardär und US-Präsident werden.
Eine schöne Kombination ist auch: Kein Meister fällt vom Himmel, denn die Dummheit ist eine Himmelsmacht. Kann in diesem Zusammenhang auch ergänzt werden mit: Alles Gute kommt von oben. Damit alles klar ist!
Brillant geradezu: Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es könnt geladen sein.
Positivistisch banal hingegen: Wer andern eine Grube gräbt ist wahrscheinlich Bauarbeiter.
Erkenntnistheoretischer: In der Einsamkeit findet man nicht zu sich selbst, man verliert nur die anderen aus den Augen.
Fachspezifisch: Man sieht nur mit dem Herzen gut, Verband der Augenoptiker.
Für christliche Geographen: Alle Wege führen nach Rom, aber lasst die Kirche im Dorf!
Eine neuere Erkenntnis: Bildung schütz vor Dummheit nicht.
Eine wunderbare contradictio in se: Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf Morgen und Morgen ist auch noch ein Tag.
Hoffnung macht: Auch ein blödes Schwein findet manchmal ein blindes Huhn!
Sehr makaber ein Nachruf: Dein Wahlspruch war ‚Bellende Hunde beißen nicht!‘ Leider hast Du es nicht überlebt, Deine Briefträgerkollegen.
Mein Freund sagte neulich: Ich habe gelesen, der Krieg ist der Vater aller Dinge. Ich bin aber ein Muttersöhnchen!
Auch gut: Bleibe im Lande und wehre dich redlich!
Für alle Reitfreund*innen: Das höchste Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde, das höchste Glück der Pferde ist der Reiter auf der Erde.
Schon Bert Brecht wusste: Hunger ist ein schlechter Koch. Wie wahr! obwohl – er war ein schlechter Esser.
Für Frühaufsteher: Der frühe Wurm hat einen Vogel.
Typisch mein Freund, als wir im Fernsehen Bilder von einer Massenkarambolage auf der Autobahn sahen: „Tja, der Mensch denkt und Gott lenkt.“
Über dem Eingang zu einem Pornokino, virtuell aber geschmacklos: Der Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach.
Eine wichtige Kombination scheint mir: Alte Liebe rostet nicht – Wer rastet rostet. Kann natürlich anstrengend werden…
Ein Spruch bleibt aber tatsächlich unbestritten: Die kleinen Gauner hängt man, die großen lässt man laufen. Was gerade wieder die Oberstaatsanwaltschaft mit der Einstellung des Verfahrens gegen die FPÖ und Strache wegen illegaler Spenden-“Annahme“ beweist, obwohl das von Strache selbst im legendären Ibiza-Video, unwidersprochen von Gudenus, eingestanden wurde.
So könnte ich jetzt noch bis zum Sankt Nimmerleinstag fortsetzen…
Zum Schluss aber: ein Sprichwort habe ich bisher nicht verstanden: Das ist das Selbe in Grün. Das verstehe ich erst, seit die Grünen als Neuerer in die Bundesregierung eigezogen sind.
heifisch, 1992
Die heile Welt
Ach, mein Gott, wie ist die Welt nicht schön geworden, seit dem Zusammenbruch des sogenannten „Realen Sozialismus“. Die Völker im Osten werden nicht mehr von Stalinistischen Vasallen mit Mord und Brand, wie man bisher hörte, zum Zusammenleben gezwungen; nein, sie können endlich ihrer natürlichen Bestimmung nachgeben und sich gegenseitig umbringen. (Allerdings tatsächlich unter Anführung durch Mitgleider der ehemaligen reaktionären Funktionärsnomenklatura, die sich, nachdem sie endlich ungebremst ihre persönlichen Macht- und Bereicherungsgelüste ausleben können, nahtlos in das neue System einpassen lassen.)
Die Jugendlichen werden nicht mehr mit autoritärer Gewalt zur Friedensliebe erzogen, sondern durch Brutalovideos und reale Arbeitslosigkeit, Politik der Stärke und realen Krieg Reich gegen Arm, also Kapitalismus, durch den Kampf Jede/r gegen Jede/n. zur Identitätsfindung im Nationalismus und Faschismus geführt.
Angst und Angstabwehr werden die bestimmenden Gefühle im täglichen Überlebenskampf. Die Dummheit etlicher machtgeiler und selbstgerechter Funktionäre und ihrer Vasallen wird ersetzt durch die Dummheit der machtgeilen und selbstgerechten „Wirtschaftstreibenden“ und ihrer Vasallen, deren Medien und Werbung, die uns jeden Scheißdreck, wenn er ihnen Geld bringt, als notwendiges Nonplusultra der Menschheitsbeglückung verkaufen.
Und in diese heile, um nicht zu sagen heilige, Zukunftsvision einer sogenannten freien Welt, platzt die Nachricht, dass in Litauen der Freiheits- und Menschenrechtskämpfer Landsbergis und seine Partei bei den Wahlen von den sogenannten „Altkommunisten“ besiegt wurde. Und das in einem Land, von dem man immer gehört hat, dass es so geknechtet sei! Das kann doch nicht stimmen! In Litauen haben sie offensichtlich 40% privilegierte Funktionäre gehabt, die für die Wiederherstellung ihrer Privilegien waren. So viele haben jedenfalls die „Altkommunisten“ gewählt!
Und in Tadschikistan kämpfen „Altkommunisten“ laut den Meldungen sogar gegen unsere heile Fundamentalismuswelt, hört man. Ich sehe sie direkt vor mir, die „Altkommunisten“, wie sie grauhaarig und verhutzelt und zum Teil auf Krücken ihre rostigen Kalaschnikows schwingen, um gegen den fundamentalen Fortschritt zu kämpfen.
Ja, finstere Zeiten kommen auf die heile Kapitalismuswelt zu, wenn das so weitergeht!
Jetzt stehen sie vorübergehend etwas ratlos da, die frischgewendeten Parteifunktionäre, Neooligarchen, kapitalisierte Sozialdemokraten, die triumphalen Konservativen und die euphorisierten Reaktionäre und verstehen die Welt schon wieder nicht mehr. Keine Angst, Freunde, die Glitzerwelt des Kapitalismus wird sich mit ihrer Ausgrenzungspolitik schon durchsetzten. Auf jeden Fall vorübergehend. So oder so. Entweder mit einem katastrophalen Ausgang, also der Vernichtung der Menschheit, oder mit einer Beseitigung des Kapitalismus.
Und ich denk mir einfach: der Widerspruch zwischen Reich und Arm lässt sich auf die Dauer nicht wegkleistern.
Heile Welten sind was für ein Märchenbuch. Der Rest ist Dialektik.
heifisch
Glaubensbekenntnis
eines Ungläubigen
Ich glaube an die Menschlichkeit.
Die Frage Vernunft oder Gefühl, Verstand oder Herz, West oder Ost? Ich glaube das eine kann ohne das Andere nicht existieren.
Ich kämpfe für eine Welt und ein Bewusstsein, das Menschen nicht aus Angst vor Strafe „menschlich“ handeln lässt, keiner Strafe im Diesseits und keiner im Jenseits.
Ich streite für eine Welt in der Caritas, also Nächstenliebe und Wohltätigkeit, und Diakonie, also der Dienst an den Anderen, keine kirchlichen Organisationen, sondern Lebenshaltungen sind. Das geht nur, wenn „der Mensch dem Menschen ein Helfer“ sein kann. (Frei nach Bertolt Brechts „An die Nachgeborenen“.)
Ich glaube an die Solidarität. Sie ist das Menschliche.
Das Gegeneinander ist das Unmenschliche.
Ich streite für eine Welt, in der wir in der Lage sind, die Liebe für einen Menschen nicht mehr erstreiten zu müssen, in der wir tatsächlich die Liebe für alle Menschen leben können. Ich glaube der Mensch ist kein Abbild Gottes, sondern Gott ist ein Abbild der Menschen.
Gott ist das Wir, das Miteinander, das Du im Ich, das Ich im Du. Er ist der imaginierte Wunsch der Menschen nach absoluter Liebe, nach absolutem Frieden, nach absoluter Gerechtigkeit; nach einem Leben ohne Angst, nach der Unzerstörbarkeit der schützenden Träume der Kindheit.
Er ist die imaginierte Sehnsucht nach einer Welt, in der Freiheit kein relativer Begriff ist, der jeder wirkmächtigen Interessensgruppe erlaubt ihre Wünsche und Privilegien als Freiheit aller auszugeben.
Ich streite für eine Welt, in der der Begriff Freiheit ein Ergebnis der Emanzipation des Menschen ist. Für eine Welt, in der man keinen Egoismus mehr braucht, um altruistisch sein zu können. Für eine Welt in der meine Fehler und Irrtümer nicht mehr die Welt bedeuten…
Das verbindet mich mit allen Gläubigen dieser Welt, die ihren Glauben nicht benutzen um ihre egozentrischen, gemeinschaftsfeindlichen, engstirnigen Ziele als deren Gegenteil zu verkleiden.
So gesehen bin auch ich ein Glaubender. Ich glaube an die Fähigkeit der Menschen zur Liebe. Ich glaube an die Fähigkeit der Menschen zum Miteinander. Ich glaube an die Fähigkeit der Menschen den Irrsinn unserer Gegenwart zu überwinden.
Ich glaube an die Menschheit. Aber ich bin kein weltfremder Träumer. Ich weiß, dass diese Fähigkeiten erst wirklich werden können in einer nichtkapitalistischen Welt. Und ich weiß, dass der Weg dorthin immer schwieriger wird, da ich weiß, aus eigener Erfahrung, dass das Denken der Menschen von unseren Verhältnissen bestimmt wird. Sowohl in deren Bejahung als auch in deren Verneinung. Ob uns das recht ist oder nicht.
Ich glaube trotzdem an die Fähigkeit der Menschheit diese nicht-kapitalistische Welt zu erstreiten. Ich hoffe, dass die Menschheit die Möglichkeiten für die Verwirklichung dieser Welt schafft.
Sonst nützen die besten Fähigkeiten nichts. Sonst ist die Menschheit verloren.
Amen.
heifisch, 23.01.2015
Je Suis un homme
Was ist die Sehnsucht der Menschen in unserer entsolidarisierten „Solidargemeinschaft“? Gemeinschaft, Miteinander, Verständnis, Schutz. Auch wenn sie subjektiv einen anderen Eindruck haben mögen. Auch wenn jetzt der eine oder die andere spöttisch lächeln mag. Die Islamisten zum Beispiel, allen voran der wahabitische IS, leben genau von diesen Sehnsüchten. Eine ihrer Doktrinen besagt, dass die Muslime wie EIN KÖRPER seien; wenn im Irak zB. ein Muslim getötet würde spüre das ein Muslim bei uns wie einen Schnitt in seine Hand. Die Islamisten bieten ihren Mitgliedern Schutz und Gemeinschaft. Wenn sie gemeinsam morden sind sie stärker als ihre Ängste. Und wenn sie sterben kann ihnen erst recht nichts passieren, dann kommen sie nämlich in die Gemeinschaft des Himmels. Mit dem selben Mechanismus haben die Christen die Kreuzzüge und die Inquisition betrieben. Und das Märtyrertum mit der Belohnung im Himmel ist keine Erfindung der Muslime.
Und es war und ist der perverse Mechanismus der faschistischen oder faschistoiden Vereinigungen zusammenhält. Hooligans genau so wie Motorradgangs. Es ist der selbe perverse Mechanismus mit dem die Mafiosi ihre Gemeinschaften zusammenhalten. Mit den gleichen Mitteln. Es ist aber auch der harmlose Mechanismus der Hobbygemeinschaften, der Fanclubs zusammenhält.
Und sozusagen als positive Demonstration der menschlichen Kraft des Miteinander, der Empathie sehen wir z.B. die Massendemonstrationen nach den Charlie-Attentaten oder gegen Pegida, die nicht vom „Gegen“ getragen sind, sondern vom „Für“ für eine menschliche Gemeinschaft. Aber auch die kleinen, lokalen Organisationen, die sich für die Integration und Unterstützung von Migranten oder Kriegsflüchtlingen einsetzten. Die das dumme Geschwätz von den „Wirtschaftsflüchtlingen“ ignorieren und entlarven. „Wirtschaftsflüchtlinge“, das sind z.B. Großkonzerne, die ihre Produktion in Billiglohnländer auslagern.
Die Menschen sind letztlich Tiere, die auf Gemeinschaft angewiesen sind. Ob das dem Einen oder der Anderen passen mag oder nicht. Es gibt kein Handeln, keine Entwicklung, kein Denken ohne Gemeinschaft. Nicht einer der großen, anscheinend so singulären Denker der Vergangenheit und der Gegenwart, die scheint’s einsam auf ihrem Olymp thronend ihre Gedanken formulieren und absondern, tut dies ohne ein imaginäres Gegenüber.
Auch ich, der ich nicht zu den großen Denkern gehöre, schreibe dies jetzt für imaginäre Leser. Kein Mensch kann für sich alleine denken, auch wenn er dies glauben mag. Alleine für sich wäre das Formulieren von Gedanken völlig sinnlos. Da würden zum Überleben als Spezies Instinkte genügen.
Ein menschliches Leben ohne Gemeinschaft ist nicht nur sinnlos, es hätte sich nie entwickelt. Unsere mittlerweile wieder zunehmend entsolidarisierte Gemeinschaft, die nur dem Profit und dem Einzelgänger dienen soll, aber von der Gemeinschaft der entsolidarisierten Ausgebeuteten lebt, produziert faschistische oder faschistoide Vereinigungen, wie die rigide Sexualmoral Pornografie, Perversion und sexuelle Gewalt produziert.
Die einzige Chance diesen Mechanismen zu entkommen ist die Besinnung auf das, was die Menschen zu Menschen macht: das Miteinander. Ohne radikale, das heißt an die Wurzel gehende, Veränderung unserer, auf Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beruhenden Gesellschaft, wird das nicht möglich sein.
heifisch, 15.04.2020
KAPITALE GEDANKENSPLITTER
- Unsere Diktatur des Kapitals, genannt „bürgerliche Demokratie“, schafft eine neue, riesige, von den Apologeten dieser Macht und ihren Medien abhängige, stumpfe, für jede Schandtat der organisierten Kriminalität, also des Kapitals und seinen, als „anständige“ wirtschaftstreibende Firmen getarnten Unterorganisationen, aktiv und passiv missbrauchbare, sich real materialisierende Masse: das geistige Lumpenproletariat.
- Die sogenannte Mafia ist nur eine der Varianten der Mächtigen des Kapitalismus. Mafia beschreibt nur eine Variante des konkurrenzkapitalistischen Systems, das einer willkürlichen Unterscheidung in gerechtes, anständiges Kapital und seine Betriebe und in sozusagen unrechtes, unanständiges, verbrecherisches Kapital und seine Unternehmungen dient. Das ist eine, angesichts der täglichen Verbrechen des Kapitals in alle Formen des Krieges und der Betrügereien, des Mordes und der Zerstörung von Existenzen, von Lebensträumen und Arbeitswelten, obsolete Differenzierung der Machtstrukturen. (Wer würde zum Beispiel ehrlich bezweifeln, dass Donald Trump, ein Mafioso ist?) Mafia ist nicht das Gegenteil zum, sondern der Ausdruck des kapitalistischen Systems.
- Die Arbeiterklasse ist nicht verschwunden, wie behauptet, sie hat nur mit der Änderung der Produktionsmittel und deren –verhältnisse, ihre Form geändert. Ob am Computer, am Fließband oder in der sogenannten „Dienstleistung, etc. – Arbeit bleibt Arbeit.
heifisch, 22.02.2019
KLASSENKAMPF UND NS-A
Während die sogenannten Arbeitnehmer, die tatsächlich die ArbeitGEBER sind den Klassenkampf schon längst eingestellt haben – die hin und wieder aufflackernden Streiks sind nur mehr lasche Drohgebärden um die Portionen Brosamen, die von den Tischen Superreichen ArbeitNEHMER für die unteren Klassen abfallen etwas größer werden zu lassen, mit schrumpfendem Erfolg – verschärft die Obere Klasse munter täglich ihren Klassenkampf gegen die unteren, von deren Arbeitskraft sie ihren Luxus finanzieren lassen.
Und dazu stellen sie die gesamte Weltbevölkerung unter Generalverdacht und lassen sie überwachen, ihre Telefonate auf entsprechende Worte checken, die auf WIDERSTAND GEGEN IHRE MACHT hindeuten – nicht auf Terrorismus! Die Behörde heißt in den USA nicht zufällig NS-A. Und unsere Olig- und anderen -ärsche lassen die Krokodilstränen spritzen, wegen ihrem Überwachtwerden, nur um davon abzulenken, dass sie selber genau das Gleiche machen. Und natürlich, weil sie sich ärgern, dass die Amis die leistungsfähigeren Überwachungssysteme haben und ein Vielfaches dafür ausgeben. Das wollen sie ändern – sonst nix.
Aber wie erweckt man eine im Dornröschenschlaf liegende, im Discobeat und Börsentakt ins Prekariat marschierende Bevölkerung, um ihrerseits den Fehdehandschuh des Klassenkampfes, der ihnen jeden Tag tausendfach ins Gesicht geknallt wird, endlich aufzunehmen?
Wer die „Zeichen der Zeit“ lesen und mit den anderen Zeichen vor den Weltkriegen vergleichen kann wird, so wie ich, vermutlich sehr pessimistisch werden.
heifisch, 21.01.2015
Schauspielen.
Die Theaterbühne riechen. Flüstern. Huschende Gestalten. Jedes Geräusch vermeiden. Ihr Auftritt bitte. Das Wunder des Theaters fühlen. Gleißendes Bühnenlicht oder verhaltene Ausleuchtung. Den mühsam erlernten Text verstanden haben. Die Figur entwickelt. Tage, Wochen, Monate.
Jetzt ist der Moment. Jetzt entdecke den Text, die Figur neu. Jetzt zeige, ob Du sie/ihn verstanden hast. Da wäre es doch. Die Bühnenarbeit an den großen Theatern sieht anders aus. Dein Klischee ist gefragt, nur die große Geste. Keine Pausen. Büroarbeit. Keine Entdeckungen, nur Wiederholung von schon hundertmal Wiedergekäutem, Widergekäutem.
Kunsthandwerk, wenn man Glück hat auf hohem Niveau. Aber wer hat schon das Glück. Oder das Filmset. Traum aller kleinen Mädchen und Buben. Tatsächliche Chance relativ schnelles Geld zu verdienen, bekannt zu werden, wenn du einmal im Verteiler bist – dann hast Du es geschafft. Die Wiedererkennbarkeit ist gefragt, nicht die Erarbeitung/Entdeckung neuer Figuren.
Schon gar nicht geht es mehr um Inhalte. Ausnahmen bestätigen die Regel und sind Glücksfälle. Aber wer hat schon Glück.
Mein Glück in der Schauspielerei war die Arbeit, das Entdecken, das Verstehen der Inhalte, sie zu transportieren. Meine Sicht zu transportieren. Noch mehr als Regisseur. Wen interessiert das schon.
In einer Welt, über der in großen Lettern steht „bereichert euch“, muss verkauft werden. Der angebliche Publikumsgeschmack bedient werden.
Auch Revoluzzer haben da geschmäcklerisch zu sein. Den braven Bürgern die Buhrufe zu ermöglichen und die wohligen Schauer des Grausens über den Rücken zu jagen.
Keine Bitterkeit. Eher Trauer. Und gute Erinnerungen. Aber keine Lust mehr „Theater zu spielen“ – weil nicht einmal der Inhalt des Wortes „spielen“ verstanden oder vertreten wird. Die Premiere ist das Nonplusultra. Für mich nur ein willkürlicher Punkt des Verstehens.
Der Vereinzelung in unserer Gesellschaft geschuldet noch gerne Soloprogramme. Die gut sein können, wenn man sie lange und intensiv vorbereitet. Die Arbeit bleibt immer unsichtbar. Und sogar von einigen Menschen verstanden werden, wenn man Glück hat.
Dann aber hat man Glück.
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